Die Entwicklung und Sicherung von Gewerbe- und Industrieflächen bleibt eine zentrale Zukunftsfrage für die Region Hellweg-Sauerland. Um eine fundierte Einschätzung zur aktuellen Angebots- und Nachfragesituation zu erhalten, hat die IHK im Februar 2026 die kommunalen Wirtschaftsförderungen im Kreis Soest und im Hochsauerlandkreis befragt. 25 von 26 Kommunen haben sich an der Umfrage beteiligt. Ziel ist es, belastbare Aussagen für Planverfahren sowie für die bedarfsgerechte Ausweisung von Gewerbe- und Industrieflächen zu gewinnen.
Die Bewertung des kommunalen Flächenangebots hat sich gegenüber der letzten Erhebung aus dem Jahr 2024 leicht verbessert. Gleichwohl bleibt die Situation angespannt. Zwar ist weiterhin eine Nachfrage nach Gewerbe- und Industrieflächen vorhanden, sie zeigt sich jedoch deutlich konjunkturell getrübt. Insbesondere aus dem produzierenden Gewerbe kommen derzeit weniger Impulse als noch vor zwei Jahren. Die aktuelle wirtschaftliche Lage spiegelt sich damit unmittelbar in der Flächennachfrage wider.
Die Anfragen stammen überwiegend von lokalen und regionalen Unternehmen, die sich am bestehenden Standort erweitern oder innerhalb der Region verlagern möchten. Großflächige Neuansiedlungen externer Investoren spielen momentan eine untergeordnete Rolle. Entsprechend werden mehrheitlich mittlere Flächengrößen nachgefragt. Gleichzeitig zeigt sich, dass das vorhandene Angebot häufig nicht passgenau ist – entweder stehen zu wenige Flächen zur Verfügung oder die Größenstruktur entspricht nicht den Bedarfen der Unternehmen.
Insgesamt befinden sich aktuell 64 Gewerbeflächen mit einer Gesamtgröße von rund 109 Hektar in der Vermarktung. Hinter dieser Gesamtzahl verbirgt sich jedoch eine sehr unterschiedliche Verteilung: Rund die Hälfte der Kommunen verfügt lediglich über eine oder gar keine aktiv vermarktbare Fläche. Mehrere Kommunen haben derzeit überhaupt kein verfügbares Angebot. Zudem liegt die Gesamtfläche in der Vermarktung bei einem Großteil der Kommunen bei 2,5 Hektar oder weniger. Das bedeutet, dass vielerorts nur noch sehr begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten bestehen. Zwar werden vereinzelt Reserveflächen oder neue Entwicklungsprojekte genannt, diese stehen jedoch häufig noch nicht kurzfristig zur Verfügung. Hinzu kommen planerische Restriktionen und gesetzliche Rahmenbedingungen, die eine weitere Flächenentwicklung erschweren.
Bei den Standortanforderungen der Unternehmen dominieren weiterhin die klassischen harten Faktoren. Besonders wichtig sind wettbewerbsfähige Grundstückspreise, eine gute Autobahnanbindung, die Verfügbarkeit von Fachkräften sowie eine leistungsfähige Breitbandinfrastruktur. Auch die Energieversorgung spielt eine zunehmende Rolle. Weiche Standortfaktoren wie Freizeit-, Kultur- oder Bildungsangebote sind für konkrete Standortentscheidungen im Bereich Gewerbe- und Industrieflächen hingegen von nachrangiger Bedeutung.
Insgesamt zeigt die Umfrage 2026 ein differenziertes Bild: Die konjunkturelle Lage dämpft derzeit die Dynamik der Flächennachfrage, sie hebt jedoch den strukturellen Handlungsbedarf nicht auf. Viele Städte und Gemeinden verfügen nur noch über sehr eingeschränkte Flächenreserven. Insbesondere größere zusammenhängende Flächen für umfangreiche Neuansiedlungen fehlen in der Region weitgehend. Gleichzeitig benötigen Planung, Flächenerwerb und Erschließung neuer Gewerbe- und Industrieflächen mehrere Jahre Vorlauf. Gerade deshalb ist es wichtig, entsprechende Entwicklungen auch in wirtschaftlich schwächeren Phasen konsequent weiter voranzutreiben. Wenn die Konjunktur wieder stärker anzieht, sollten geeignete Flächen schnell und möglichst unkompliziert verfügbar sein, damit Investitionen und Unternehmensentwicklungen nicht daran scheitern, dass Flächen erst noch geplant werden müssen. Die strategische Sicherung und Entwicklung von Gewerbe- und Industrieflächen bleibt daher eine zentrale Aufgabe für Kommunen, Region und Landesplanung.
Stand März 2026